Der Shokz OpenRun Pro 2 kombiniert zwei unterschiedliche Lautsprechertechnologien und verbessert damit vor allem die Basswiedergabe. Dazu kommen hoher Tragekomfort, zwölf Stunden Akkulaufzeit und praktische Funktionen für den Trainingsalltag. Wir zeigen, was den Sportkopfhörer auszeichnet, wo seine Stärken liegen und für wen er sich eignet.
Freie Ohren beim Laufen: Das ist der große Vorteil
Musik kann beim Laufen ein echter Motivationsschub sein. Sie hilft, den Rhythmus zu finden, lenkt von der Anstrengung ab und kann gerade auf langen Strecken dafür sorgen, dass die Kilometer gefühlt schneller vergehen. Auch Marathon-Legende Eliud Kipchoge nutzt diesen Effekt. „Musik motiviert mich. Manchmal ist das Laufen anstrengend und man fühlt sich müde. Mit Musik kann man es genießen und vergisst, dass man läuft“, erklärt der zweimalige Olympiasieger. Doch wer draußen läuft, sollte auch seine Umgebung wahrnehmen können. Herannahende Fahrräder, Autos oder Warnsignale gehören zu den Geräuschen, die gerade im Straßenverkehr wichtig sind.
Hier liegt die Stärke der Open-Ear-Kopfhörer von Shokz. Anders als klassische In-Ear-Modelle verschließen sie den Gehörgang nicht. Die Ohren bleiben frei, während Musik oder Podcasts abgespielt werden. Das erleichtert die Wahrnehmung von Umgebungsgeräuschen. Eine Garantie für mehr Sicherheit ist das allerdings nicht: Auch bei offenen Ohren können hohe Lautstärken und Ablenkung die Aufmerksamkeit beeinträchtigen. Mit dem OpenRun Pro 2 entwickelt Shokz dieses Konzept weiter. Der Kopfhörer soll nicht nur beim Tragekomfort überzeugen, sondern vor allem dort besser werden, wo Knochenschall-Kopfhörer traditionell Schwächen haben: bei der Klangqualität und insbesondere bei tiefen Frequenzen.
Neue DualPitch-Technologie: Mehr Bass ohne verschlossene Ohren
Die wichtigste Neuerung des OpenRun Pro 2 ist die sogenannte DualPitch-Technologie. Shokz kombiniert dafür zwei unterschiedliche Arten der Schallübertragung. Ein ultradünner Knochenschall-Treiber überträgt Schwingungen über den Schädelknochen und übernimmt vor allem höhere Frequenzen. Ergänzt wird er durch einen Luftleitungslautsprecher mit Abmessungen von 18 mal 11 Millimetern, der insbesondere für die tiefen Frequenzen verantwortlich ist.
Das ist ein wesentlicher Unterschied zu bisherigen Knochenschall-Konzepten. Denn gerade beim Bass stoßen reine Bone-Conduction-Kopfhörer an physikalische Grenzen. Tiefe Frequenzen lassen sich über Vibrationen am Kopf nur eingeschränkt übertragen. Bei höheren Lautstärken können zudem spürbare Vibrationen auftreten, die nicht jeder als angenehm empfindet.
Durch die Kombination mit einem zusätzlichen Luftleitungslautsprecher will Shokz diese Nachteile reduzieren. Der Bass wird nicht mehr ausschließlich über Knochenschall erzeugt. Das soll für einen volleren, ausgewogeneren Klang sorgen und gleichzeitig die Vibrationen an den Kontaktflächen verringern.
Für Läuferinnen und Läufer ist das interessant. Denn Musik soll beim Training motivieren und Spaß machen. Ein kräftiger Rhythmus kann gerade bei schnellen Einheiten oder auf den letzten Kilometern eines langen Laufs das subjektive Laufgefühl positiv beeinflussen. Die neue Konstruktion ist deshalb eine nachvollziehbare Weiterentwicklung. Allerdings darf man auch vom OpenRun Pro 2 nicht dieselbe Bassintensität erwarten wie von gut abdichtenden In-Ear-Kopfhörern. Weil die Ohren offen bleiben, beeinflussen Umgebungsgeräusche das Hörerlebnis stärker. Das ist der bewusste Kompromiss dieses Konzepts.
Tragekomfort: Sicherer Sitz ohne Druck im Ohr
Mindestens genauso wichtig wie die Klangqualität ist bei Sportkopfhörern der Sitz. Was beim Spaziergang bequem erscheint, kann beim schnellen Intervalltraining oder nach zwei Stunden Dauerlauf unangenehm werden. Shokz setzt beim OpenRun Pro 2 auf die bekannte Konstruktion mit zwei Ohrbügeln, die durch einen flexiblen Nackenbügel verbunden sind. Der Rahmen besteht aus einer Nickel-Titan-Legierung mit Formgedächtnis. Das Material soll dafür sorgen, dass der Kopfhörer flexibel bleibt, gleichzeitig aber ausreichend Spannung aufbaut, um beim Laufen nicht zu verrutschen.
Die Kopfhörer sitzen nicht im Gehörgang, sondern werden vor den Ohren positioniert. Dadurch entsteht kein Druck im Ohr, und auch das bei In-Ear-Modellen gelegentlich auftretende Gefühl eines verschlossenen Gehörgangs entfällt. Besonders bei längeren Läufen kann diese Bauweise angenehm sein. Auch die Kombination mit einer Sportbrille ist grundsätzlich möglich, wobei der individuelle Sitz von der Brillenform abhängt.
Ein möglicher Nachteil zeigt sich bei Kleidung mit hohem Kragen, Kapuzen oder bestimmten Mützen: Hier kann der hinter dem Kopf verlaufende Bügel gelegentlich stören. Insgesamt ist das Design konsequent auf Bewegung ausgelegt. Gerade für Läuferinnen und Läufer, die mit klassischen In-Ear-Kopfhörern Probleme haben, ist diese Konstruktion interessant.
Zwölf Stunden Akkulaufzeit: Genug Energie für lange Läufe
Ein weiterer Pluspunkt des OpenRun Pro 2 ist die Akkulaufzeit. Shokz gibt bis zu zwölf Stunden Musikwiedergabe an. Damit bietet der Kopfhörer auf dem Papier mehr als ausreichend Reserven für nahezu jede Trainingseinheit. Selbst bei einem Marathon oder einem langen Trailrun sollte der Akku unter üblichen Bedingungen nicht zum begrenzenden Faktor werden. Wie lange die Batterie tatsächlich durchhält, hängt allerdings von der Lautstärke, den Verbindungsbedingungen und der Nutzung ab. Die Herstellerangabe ist deshalb als Maximalwert zu verstehen.
Praktisch ist die Schnellladefunktion. Bereits fünf Minuten am Ladekabel sollen für weitere zweieinhalb Stunden Musikwiedergabe ausreichen. Wer vor dem Training feststellt, dass der Akku fast leer ist, kann so kurzfristig Energie nachladen. Geladen wird über USB-C.
Regen, Schweiß und Spritzwasser: Was bedeutet IP55?
Sportkopfhörer müssen einiges aushalten. Schweiß bei sommerlichen Temperaturen, Regen während eines langen Laufs oder Spritzwasser gehören zum Trainingsalltag. Der Shokz OpenRun Pro 2 besitzt die Schutzklasse IP55. Die erste Ziffer steht für den Schutz gegen Staub, die zweite für den Schutz gegen Wasser. Konkret bedeutet das: Der Kopfhörer ist staubgeschützt und gegen Strahlwasser aus verschiedenen Richtungen geschützt.
Für das Laufen ist das eine sinnvolle Ausstattung. Schweiß und gewöhnliche Regenschauer sollten dem Gerät bei sachgemäßer Verwendung nichts anhaben. Wichtig ist allerdings die Unterscheidung zwischen wasserfest und wasserdicht. Der OpenRun Pro 2 ist nicht zum Schwimmen oder Tauchen geeignet. Die Schutzklasse IP55 erlaubt kein dauerhaftes Untertauchen. Wer beim Schwimmen Musik hören möchte, benötigt ein dafür ausdrücklich zugelassenes Modell.
Auch wenn bei einem Laufkopfhörer die Musikwiedergabe im Mittelpunkt steht, gehören Telefonate für viele zum Alltag. Der OpenRun Pro 2 verfügt deshalb über zwei Mikrofone und eine KI-gestützte Geräuschunterdrückung. Nach Herstellerangaben kann das System bis zu 96,5 Prozent bestimmter Umgebungsgeräusche herausfiltern.
Außerdem wurde die Mikrofonanordnung so gestaltet, dass Windgeräusche reduziert werden. Shokz nennt eine zuverlässige Sprachübertragung bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 25 km/h. Gerade für Outdoor-Sportler ist das interessant, denn Wind gehört zu den größten Problemen beim Telefonieren. Die genannten Werte stammen allerdings vom Hersteller. Wie gut die Sprachqualität tatsächlich funktioniert, hängt von den konkreten Bedingungen ab.
Shokz App: Klang nach persönlichen Vorlieben einstellen
Nicht jeder hört beim Laufen dieselbe Musik. Während manche einen kräftigen Bass für schnelle Trainingseinheiten bevorzugen, legen andere bei Podcasts oder Hörbüchern größeren Wert auf klare Sprachwiedergabe. Über die Shokz App lässt sich die Klangabstimmung anpassen. Dafür stehen vier voreingestellte Equalizer-Modi sowie zwei individuell konfigurierbare Einstellungen zur Verfügung.
Eine weitere praktische Funktion ist das MultiPoint-Pairing. Damit kann der Kopfhörer gleichzeitig mit zwei Geräten verbunden sein, beispielsweise einem Smartphone und einem Laptop. Wer ihn auch im Büro oder im Alltag nutzt, muss dadurch nicht ständig zwischen verschiedenen Bluetooth-Verbindungen wechseln.
Die technischen Daten im Überblick
- Bauweise: Open-Ear-Sportkopfhörer mit Nackenbügel
- Audiotechnologie: Shokz DualPitch mit Knochenschall- und Luftleitungstreiber
- Luftleitungstreiber: 18×11 mm
- Bluetooth: Version 5.3, Reichweite bis zu 10 Meter
- Akkulaufzeit: bis zu 12 Stunden
- Schnellladefunktion: 5 Minuten für bis zu 2,5 Stunden Wiedergabe
- Ladeanschluss: USB-C
- Schutzklasse: IP55
- Mikrofone: KI-gestützte Geräuschunterdrückung
- App-Funktionen: Equalizer, individuelle Klangprofile
- MultiPoint: Verbindung mit zwei Geräten möglich
Unser Fazit: Ein durchdachtes Konzept für Musik beim Laufen
Der Shokz OpenRun Pro 2 zeigt, wie sich das Konzept der Open-Ear-Kopfhörer weiterentwickelt hat. Besonders interessant ist die Kombination aus Knochenschall und Luftleitung. Sie setzt genau an einer der größten Schwächen früherer Bone-Conduction-Modelle an: der begrenzten Basswiedergabe. Dazu kommen Eigenschaften, die für den Laufeinsatz mindestens ebenso wichtig sind: ein flexibler, auf sicheren Sitz ausgelegter Rahmen, freie Gehörgänge, eine lange Akkulaufzeit und ein unkomplizierter USB-C-Ladeanschluss.
Die größte Stärke bleibt aber das Grundprinzip. Wer draußen läuft, möchte vielleicht Musik hören, ohne sich vollständig von seiner Umgebung abzuschotten. Genau dafür wurde der OpenRun Pro 2 entwickelt.
Natürlich gibt es Kompromisse. Die offene Bauweise bietet keine Abschirmung gegen Verkehrslärm, die Basswiedergabe bleibt vom Umfeld abhängig, und für Schwimmen oder Tauchen ist der Kopfhörer trotz IP55-Schutz nicht geeignet. Für Läuferinnen und Läufer, die Musik, Komfort und die Wahrnehmung ihrer Umgebung miteinander verbinden möchten, ist der Shokz OpenRun Pro 2 damit eine interessante Option. Die neue DualPitch-Technologie macht ihn insbesondere für diejenigen attraktiv, denen bei bisherigen Knochenschall-Kopfhörern etwas Klangfülle gefehlt hat.